Kempten (Markus Noichl) | 16.11.2011

"Mozart pur" und das Orchester von St. Anton präsentieren in Kempten ein schlankes Mozart- Requiem

Federnd und vital - Das Vokalensemble

"Mozart Pur" heißt ein neues Vokalensemble, das sich bei dem durch einige kleinere Kompositionen "garnierten" Mozart-Requiem in der der Kirche St. Anton in Kempten vorstellte. Neben dem großen Kirchenchor ein schlankes Ensemble zu gründen - darin kann man Chorleiter David Wiesner nur unterstützen.

Klangvolumen da, wo es hingehört. Aber für Musik vor der Romantik haben sich inzwischen abgespeckte Besetzungen durchgesetzt.

Diesem beweglichen, elastischen Musizieren im Sinn der historischen Aufführungspraxis kann man sich heute nicht mehr verschließen. Kirchenmusik quer durch alle Epochen immer mit personeller Maximalkraft zu fahren, das hat die Zeit überholt. „Romantisch aufgebläht“ ist die Bezeichnung, die man heute dafür kassiert. Gratulation, wenn ein Chorleiter rechtzeitig reagiert und zweigleisig fährt, auch wenn das psychologische Anforderungen stellt.

24 Sängerinnen und Sänger (davon 18 aus dem Kirchenchor) – der fülligen Akustik in St. Anton kam das entgegen. Figuren wie die schnellen Läufe der Fugen waren transparent zu hören. Neben den Streichern waren im Orchester zwei Fagotte, zwei Basett-Klarinetten, zwei Trompeten. Hier hatte man barocke Natur-Trompeten (eine aus Durach).

Moderne Ventil-Instrumente wären zu laut gewesen. Eine gute Idee. Die Pauken wurden mit historischen Holz-Schlegeln bearbeitet, hatten einen prägnanten, knackigen Ton.

Tenor Bernhard Gärtner musste am Tag vorher aufgestöbert werden für den ursprünglich vorgesehenen Markus Herzog. Er fügte sich bestens ein: Das Solisten-Quartett mit den Allgäuerinnen Martina Dorn (Sopran) und Hedwig Schöner (Alt) sowie Nikolai Ardey (Bass) aus dem Raum München harmonierte perfekt. Sätze wie das „Benedictus“ gelangen als vorzügliche Einheit.

Das Requiem erklang in der instumental entrümpelten Fassung von Franz Beyer. Es wurde glücklicherweise darauf verzichtet, die Chorstimmen durch parallel laufende Posaunen zu begleiten. Auch wenn der vorzügliche Posaunist dann nur im berühmtem „tuba mirum“ den jüngsten Tag ankündigen durfte.

Auch im Tempo hat Wiesner eine zeitgemäße Auffassung. Schon der Anfang des Requiems machte hellhörig. Das war nicht weihevoll und bedeutungsschwanger zelebriert. Federnd und vital ging es dahin. Ein berühmtes, alljährlich im grauen November vielstrapaziertes Werk erklang hier in einer gültig-frischen Fassung mit Konzept.

Die „geläufige Gurgel“ (O-Ton Mozart), die man dafür braucht, brachten diese Vokalisten mit. Das wurde schon zum Auftakt klar, als Chor und Solisten die Motette „Alma Dei Creatoris“ zu Ehren der Gottesmutter anstimmten und im „Laudate Dominum“ ein inniges Sopransolo von allen Sängern übernommen wird.

Vierhändig auf der Orgel spielten Christian Kohler und Andrea Kumpe die Fantasie KV 594 – ursprünglich geschrieben für die damals Aufsehen erregenden Musik-Automaten, bei denen eine Orgel von einem Uhrwerk angetrieben wurde. Auch Händel, Haydn und Beethoven lieferten dafür Stücke.